Fischereiliche Untersuchung des beweglichen Krafthauses in der Kinzig (Gengenbach)

An der Stauhaltung Gengenbach in der Kinzig wurde das sog. bewegliche Krafthaus hinsichtlich verschiedener fischschutzrelevanter Fragestellungen untersucht. Im Mittelpunkt der Betrachtungen stand das Verhalten der Fische hinsichtlich ihres Abstiegsverhaltens über das Krafthaus und unter dem Krafthaus hindurch. Darüber hinaus wurde geprüft, wie sich Fische im Bereich des Rechens verhalten.

Die Untersuchungen wurden in Zusammenarbeit mit dem Büro für Umwelt, Gewässermanagement und Fischerei (http://www.bugefi.de) und im Auftrag des Büros für Fischereibiologie und Ökologie Klaus Blasel und des Elektrizitätswerks Mittelbaden Wasserkraft GmbH & Co KG im Frühjahr 2011 durchgeführt.

Die Untersuchungen wurden zum einen mittels eines DIDSON-Sonars durchgeführt, das die Beobachtungen zum Fischverhalten gewährleistete. Zum anderen wurden experimentelle Untersuchungen durchgeführt. Die Ergebnisse zeigen, dass in dem hier untersuchten Zeitraum (Frühjahresaspekt) in Bezug auf das Verhalten der Fische am Rechen keine Schädigungen, die auf Ansaugeffekte oder Rechenschäden zurückzuführen sind, festgestellt werden konnten. Darüber hinaus konnte auch nicht registriert werden, dass Fische aktiv den Rechen (15 mm Stababstand) durchschwommen haben. Ausschlaggebend hierfür war die zum Zeitpunkt der Untersuchungen herrschende Anströmgeschwindigkeit von 0,3 m/sec. sowie die Form des Rechens (Rundbogen).

Die Untersuchungen zum Abstieg über das Krafthaus haben gezeigt, dass sowohl Lachssmolts als auch junge Bachforellen durch den Spalt zwischen den Segmentklappen absteigen können, dies jedoch nur vergleichsweise selten tun. Die Anlage wird als Barriere wahrgenommen. Untersuchungen, in deren Rahmen der Rechenreiniger als abstiegsunterstützendes Element eingesetzt wurde, verliefen jedoch positiv. Mittels des Reinigers konnten sowohl eingesetzte Zuchtbachforellen als auch Lachssmolts in das Unterwasser transferiert werden.

Bei den Untersuchungen zum Abstieg unter dem Krafthaus hindurch hat sich gezeigt, dass die meisten Fische auf das Öffnen der Turbineneinhausung mit Flucht ins Oberwasser reagieren. Nur ein kleinerer Teil der Fische wurde von der Strömung erfasst und ins Unterwasser transportiert. Eine Ausnahme bildete eine Untersuchung, bei der ein anlagenindiziertes Geräusch die Fische im Moment des Öffnens des Krafthauses aufschreckte. In diesem Fall wurden fast alle Fische ins Unterwasser transferiert. 

Zur Beurteilung der Gesamtsituation besteht weiterhin Forschungsbedarf, insbesondere bezüglich unterschiedlicher Abflussregime und artspezifischer Verhaltensmuster, z. B. bei abwandernden Blankaalen.

Untersuchungsstandort Gengenbach an der Kinzig mit Wehr (links) und Wasserkraftanlage (rechts)   Schematische Darstellung des beweglichen Krafthauses und der Funktionsweise.
Bewegliches Krafthaus: Rundbogenrechen mit lichtem Stababstand von 15mm  Bewegliches Krafthaus: Blick ins Unterwasser in abgesenktem Zustand  Versuchsanordnung: Bau (rechts) und Montage (links) der Sonarhalterung  Versuchsanordnung: Montierte Sonarhalterung
DIDSON mit Schwenk- und Neigekopf (links) und Sediment-/Prallschutz (rechts)  Fischkäfig (links) zur Durchführung der Experimente mit lebenden Bachforellen (rechts)